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06. Mai 2010

Perspektiven für Griechenland


Die Politik sollte jetzt endlich aus freien Stücken Reformen anschieben, bevor sie eines nicht allzu fernen Tages unter Druck agieren muss!


Ralf-Michael Löttgen Bundesgeschäftsführer des BDWi

Liebe Leserin, lieber Leser,

Panta rhei – Alles fließt! Der antike griechische Philosoph Heraklit wird an manches gedacht haben, aber sicher nicht an Finanzhilfen. Über diese wird nicht nur im Bundestag in dieser Woche heftig und kontrovers diskutiert. Auch die führenden Volkswirte Deutschlands sind uneinig wie selten. Welcher Weg ist der Richtige?

These 1: Griechenland soll aus der europäischen Währungsunion austreten, die Drachme wieder einführen, die eigene Währung dann abwerten und so im Laufe der nächsten Jahre wieder international konkurrenzfähig werden, Umschuldung (und Verluste für die Banken) inbegriffen. Die von der EU verordneten Sparmaßnahmen führen Griechenland sonst geradewegs in eine massive Rezession – Brüning lässt grüßen. 

These 2: Den Griechen jetzt schnell und nachhaltig helfen und in Verbindung mit dem internationalen Währungsfonds Kredite in einer Größenordnung von derzeit 110 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre zusagen. Alles andere gefährdet die Stabilität der Gemeinschaftswährung und wird langfristig teurer. Optimisten gehen sogar davon aus, dass Griechenland Schulden und Zinsen bezahlt und die Kreditgeber Gewinne machen…

Beide Thesen haben Fürsprecher und Ablehner. Einerseits wird das Risiko eines Vertrauensverlustes in die Gemeinschaftswährung skizziert, mit unabsehbaren Folgen für den Zusammenhalt der Europäischen Union insgesamt. Andererseits betrachten viele Griechenland als Fass ohne Boden, in dem die Kredite verschwinden.

Wahrscheinlich wird man erst in einigen Jahren wissen, welcher Weg der richtige war, oder gewesen wäre. Fakt ist, das Risiko liegt letztlich beim Steuerzahler, vor allem beim deutschen Steuerzahler. Gestern die Banken, heute Griechenland – wen retten wir morgen? Portugal, Spanien, Italien, Irland? Oder uns selbst?

Die Kanzlerin hat den Ernst der Lage betont. Hoffentlich zieht die Bundesregierung nun auch für Deutschland die richtigen Schlüsse. Kürzung von Ausgaben, Absenkung von Pensionszusagen, Vereinfachungen im Steuer- und Arbeitsrecht mit entsprechenden positiven Impulsen für Konjunktur und Arbeitsmarkt – das sind nicht nur Maßnahmen für unsere europäischen Nachbarn. Die Politik sollte jetzt endlich aus freien Stücken Reformen anschieben, bevor sie eines nicht allzu fernen Tages unter Druck agieren muss!

Herzlichen Gruß

Ralf Michael Löttgen


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