|
08. Mai 2009
Bessere Rahmenbedingungen für Dienstleistungen
Vor diesem Hintergrund sollten die Parteien über die Forderung des BDWi nachdenken, ab der nächsten Wahlperiode Fraktionsbeauftrage für die Dienstleistungswirtschaft zu ernennen.
 |  Markus Guhl Bundesgeschäftsführer der BDWi
|
Verehrte Leser,
am Berliner Flughafen Tegel sollen die Taxi-Fahrgäste künftig eine Extra-Gebühr entrichten, damit unter anderem sichergestellt ist, dass die Taxen sauber sind und die Fahrer deutsch sprechen.
Der unvoreingenommene Betrachter fragt sich dabei unwillkürlich, welche Verhältnisse sonst in Berliner Taxen herrschen bzw. was als normaler Standard hingenommen wird. Dabei sollte es doch selbstverständlich sein, dass man weder auf dreckigen und abgewetzten Rücksitzen Platz nehmen muss, noch, dass man sich mit dem Fahrer nur mit Händen und Füßen verständigen kann.
Dieses Beispiel wirft ein Schlaglicht darauf, dass in Deutschland der Dienstleistungsgedanke vielfach nicht überall angekommen bzw. ausbaufähig ist. Die eben geschilderten Grundlagen von Sauberkeit und Sprachbeherrschung können doch nicht allen ernstes als zusätzlicher Service verkauft werden, ohne dass sich der Fahrgast verschaukelt fühlt und dem Gewerbe gleichsam ein Armutszeugnis ausgestellt wird.
Dabei gibt es für „echte“ Dienstleistungen eine tatsächliche Zahlungsbereitschaft von Kunden und es existieren dort Märkte, die erschlossen werden können. Dies betrifft gute unternehmerische Dienstleistungen, wie etwa die Zeitarbeit, genauso wie soziale Dienstleistungen im Bereich der Kinderbetreuung, der Bildung und der Altenpflege. Und selbstverständlich ist nach wie vor der große Bereich der haushaltsnahen Dienstleistungen nicht ausgeschöpft, da die steuerlichen Rahmenbedingungen in weiten Teilen immer noch nicht optimal sind.
Angesichts der Krise unserer exportorientierten Industrie täte die Politik spätestens in der nächsten Legislaturperiode gut daran, genau zu schauen, wo und wie man die Dienstleistungsbranchen weiter fördern kann. Wie in den vorangegangenen Schwächephasen der Industrie wird es für den sozialen Frieden entscheidend darauf ankommen, die Potentiale der Dienstleistungswirtschaft auszuschöpfen und Wachstum und Beschäftigung in diesen Branchen zu generieren.
Vor diesem Hintergrund sollten die Parteien und besonders die Bundestagsfraktionen über die alte Forderung des BDWi neu nachdenken, ab der nächsten Wahlperiode Fraktionsbeauftrage für die Dienstleistungswirtschaft zu ernennen. Dadurch könnten die Anliegen der betroffenen Branchen noch stärker in den Fokus der Politik gerückt werden.
Es grüßt aus Berlin
Markus Guhl
|