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26. November 2009

Wettskandal und Glücksspielstaatsvertrag

Der Wettskandal im Fußball erschüttert die Sportwelt. Schnell sind diejenigen an der Hand, die versuchen, aus diesen Verfehlungen Kapital zu schlagen.

Markus Guhl Bundesgeschäftsführer des BDWi

Verehrte Leser,

der Wettskandal im Fußball erschüttert die Sportwelt. Schnell sind diejenigen an der Hand, die versuchen, aus diesen Verfehlungen Kapital zu schlagen – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Die dreisten Forderungen, den Wettskandal zum Anlass zu nehmen, den Glücksspielmarkt zu liberalisieren zeigen gerade das Gegenteil: nämlich wie nötig es ist, diesen Bereich zu regulieren und gleichzeitig zu überwachen. Hier ist die Politik zu schnellem Handeln aufgefordert!

Einerseits ist es abenteuerlich zu behaupten, durch eine Aufgabe des staatlichen Glückspielmonopols würden kriminelle Machenschaften im Bereich der Sportwetten der Vergangenheit angehören. Genauso könnte man behaupten, eine generelle Freigabe der Ladenöffnungszeiten würde dazu führen, dass es keine Ladendiebstähle mehr gäbe.

Andererseits verfolgt das Glückspielmonopol des Staates, die Wettleidenschaft der Bürger und die damit verbundene Gefahr der Spielsucht zu kanalisieren und zu begrenzen. Dies stellt nicht zuletzt der Glückspiel-Staatsvertrag sicher. Wie das im Rahmen eines liberalisierten Glückspielmarktes geschehen soll, bleibt das Geheimnis der privaten Glückspielanbieter. Die Erfahrungen der zahllosen Internetcasinos und Pokerangebote im Netz zeigt eher, dass es hierbei nur um Gewinnmaximierung geht.

In diese Richtung gehen letztlich ja auch die politischen Überlegungen in Schleswig-Holstein. Man erhofft sich über die Liberalisierung und die damit einhergehende Ausweitung des Glücksspielmarktes höhere Einnahmen für den Staatshaushalt. Das kann man politisch wollen, muss aber dann auch zu den zu erwartenden Auswirkungen in Hinblick auf die Spielsuchtgefahr stehen.

Als bestenfalls naiv sind in diesem Zusammenhang auch die Äußerungen des DFB-Vorsitzenden Theo Zwanziger zu bezeichnen. Glaubt er wirklich, Spieler aus den deutschen Ligen seien vor Bestechungsangeboten Krimineller gefeit, nur weil Sportwetten liberalisiert würden? Böse Zungen würden vielleicht eher behaupten, der DFB sei massiv an saftigen Einnahmen aus einem privatisierten Sportwettmarkt interessiert, und sieht die Gelegenheit als günstig an, in diese Richtung Forderungen zu stellen. Schade für einen Verband, der sich sonst so gerne als Vorreiter bei der Suchtprävention sieht.

Es grüßt aus Berlin

Ihr

Markus Guhl


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