|
25. Februar 2010
Unternehmensfinanzierung auf dem Prüfstand
Während die großen Kreditinstitute schon wieder Milliarden im Casino verdienen und zocken, als hätte es die Krise nie gegeben, gehen die ausgereichten Kredite an Unternehmen zurück.
 |  Ralf-Michael Löttgen Bundesgeschäftsführer des BDWi
|
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Zahl der Arbeitslosen ist im Februar auf 3,64 Millionen angestiegen, rund 91.000 mehr als im Februar 2009. Ein wesentlicher Grund ist laut Bundesagentur für Arbeit das lang anhaltende frostige Wetter. Dennoch ist der Anstieg geringer ausgefallen, als von Experten allgemein befürchtet.
Das ist auch den Arbeitgebern zu verdanken, die trotz erheblicher Schwierigkeiten an ihren Mitarbeitern festhalten. Die Witterung führt dazu, dass in vielen Branchen nicht gearbeitet wird, wie z.B. im Garten- und Landschaftsbau. Für die Unternehmen bedeutet das, die Kosten laufen größtenteils weiter, ohne dass Einnahmen erzielt werden. Im Januar und Februar haben die Betriebe bereits Löhne und Sozialabgaben bezahlt. Im März können vielleicht die ersten Aufträge bearbeitet werden, im April dann die ersten Rechnungen für 2010 gestellt werden.
Das heißt für viele Betriebe, Löhne, Sozialabgaben, Mieten, Energiekosten usw. vier Monate lang zahlen - ohne im selben Zeitraum Geld in die Kasse zu bekommen. Besonders im Mittelstand ist die Eigenkapitalquote niedrig, der Anteil der Fremdfinanzierung hoch. Das hat historische Gründe, aber auch politische. Im Unternehmen verbleibende Gewinne wurden bis zum Ende der 50er Jahre zunächst nicht besteuert, was für den Aufbau einer gesunden Eigenkapitalbasis sorgte. Später gab es sogar Phasen, in denen thesaurierte Gewinne höher besteuert waren als ausgeschüttete.
Solange die Betriebe fremdes Kapital zu moderaten Konditionen erhalten ist fehlendes Eigenkapital nicht problematisch. Aber da ist nun mal die Finanzkrise. Jetzt wird die ganze Dramatik dieses Teufelskreises deutlich. Liquidität fehlt, Kredite werden gebraucht. Wer aber nicht liquide ist, bekommt keinen Kredit. Die Zahlen sind eindeutig. Während die großen Kreditinstitute schon wieder Milliarden im Casino verdienen und zocken, als hätte es die Krise nie gegeben, gehen die ausgereichten Kredite an Unternehmen zurück.
Die Bundesregierung hat erhebliche Belastungen in Kauf genommen, um die angeschlagene Kreditwirtschaft massiv zu stützen. Wird nun nicht auch der realen Wirtschaft und insbesondere dem Mittelstand unter die Arme gegriffen, droht eine gigantische Pleitewelle – mit drastischen Folgen für den Arbeitsmarkt. Dazu darf es nicht kommen!
Herzlichen Gruß
Ihr
Ralf-Michael Löttgen
|